Eisenzeitliches Erbe

Die Iron Age Danube Route befasst sich mit einem der fragilsten prähistorischen Phänomene, das gleichzeitig auch eines der imposantesten und attraktivsten ist: den Landschaften der Eisenzeit. Sie sind durch monumentale Strukturen gekennzeichnet, wie z.B. befestigte Höhensiedlungen, Oppida, Grabhügelnekropolen, flache Gräberfelder und komplexe Raumorganisation aus der Zeit zwischen dem 9. Jh. und dem Ende des 1. Jhs. v. Chr. (Hallstatt- und La Tène-Zeit). Die Netzwerke und Verbindungen zwischen regionalen Kulturkreisen in dieser Zeit wurden weitgehend vom Flusssystem der Donau und ihrer Nebenflüsse beeinflusst. Die Eisenzeit ist auch eine Zeit, die durch herausragende Beispiele des beweglichen und immateriellen Erbes gekennzeichnet ist und in zahlreichen Museen im Donauraum präsentiert wird, einschließlich der wichtigsten regionalen und nationalen Institutionen. Sie zeigen die lange gemeinsame Forschungsgeschichte in vielen dieser Regionen, die durch die politischen Entwicklungen in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. etwas gedämpft wurde. Unser transnationales Netzwerk, das all diese Wissensquellen wieder miteinander verbindet, unterstützt, präsentiert und fördert diese Regionen als Teil eines umfassenden europäischen Kulturphänomens.

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Der Großteil des letzten Jahrtausends v. Chr. (ca. 800 v. Chr. bis zur Zeitenwende) gilt in Mitteleuropa als Eisenzeit. Die Eisenzeit folgt der Stein-, Kupfer- und Bronzezeit und war eine Epoche großer technologischer und sozialer Veränderungen, die auch die Landschaften auf beispiellose Weise beeinflussten. Die Bewohner*innen Mitteleuropas hinterließen aus jenen Jahrhunderten nur sehr begrenzte schriftliche Quellen, aber ihr Leben ist durch archäologische Spuren dokumentiert, wobei monumentale Grabhügel und großflächige Grabhügelnekropolen die bekanntesten Beispiele sind. Der größte technologische Wandel der Zeit war die Gewinnung von Eisen. Die weit verbreitete Verfügbarkeit von Eisenerz bot trotz der Herausforderungen im Schmelzprozess neue Möglichkeiten, insbesondere für Werkzeuge und Waffen. Die für die Aufrechterhaltung der Bronzeproduktion erforderlichen interregionalen Netzwerke änderten sich, und es entstanden regionale Gruppen. Diese Gruppen bildeten im Laufe der Eisenzeit neue Netzwerke und bald entstand ein Kulturkomplex, der große Teile Mitteleuropas umfasste: die Hallstattkultur (vom 9. bis 5. Jh. v. Chr.). Die Kernregion kann in einen westlichen und einen östlichen Kulturkreis geteilt werden. Wir haben zwar die Namen der meisten Träger der Früheisenzeitkultur nicht überliefert, jedoch erwähnen die spärlichen Quellen aus der Antike die Illyrer, Thraker oder Skythen, die zusammen mit den Griechen die Vergangenheit des Donauraums prägten.

 

In der jüngeren Eisenzeit (vom 5. bis zum Ende des 1. Jhs. v. Chr.) war die La Tène-Kultur in Mitteleuropa vorherrschend. Sie ist traditionell mit den sogenannten keltischen Kulturgruppen verbunden, deren Träger*innen von den griechischen Historikern als "Κελτοί" und von den römischen als "Celtae" oder "Galli" bezeichnet wurden. Im 4. Jh. v. Chr. kann mit dem Verschwinden von Grabhügeln eine neue Gesellschaftsordnung erahnt werden. Im 3. Jh. v. Chr. erzählen uns antike Autoren von keltischen Gruppen, die nach Griechenland vordrangen. Delphi wurde 279/278 v. Chr. geplündert, und während dieser Wanderungen verbreitete sich die La Tène-Kultur auf den Balkan, die südöstlichen Alpen und Transkarpatien. Ende des 1. Jhs. v. Chr. dominierte das Römische Reich den Donauraum, und die „alten“ befestigten Zentren der Eisenzeit wurden aufgegeben und durch andere Formen von (städtischen) Siedlungen ersetzt.

 

Die Hallstatt- und La-Tène-Kultur spielte im ersten Jahrtausend v. Chr. eine zentrale, innovative Rolle in Mitteleuropa und im mittleren Donauraum. Obwohl sich diese Kulturen in ganz Europa ausbreiteten, hatten sie im Donauraum spezifische lokale Entwicklungsphasen und Merkmale. In diesem Gebiet sind Überreste dieser Kulturen sowie ihre Auswirkungen auf andere lokale Gemeinschaften sowohl in der Landschaft als auch in den archäologischen Quellen sehr gut nachvollziehbar.

 

Neben Objekten von Weltrang aus dieser Zeit, die in den Museen aufbewahrt werden, sind auf den Wiesen, Weiden und Wäldern der heutigen Landschaften zahlreiche Denkmäler erhalten geblieben. In vielen Regionen wird dieses Erbe durch die Grabhügel der älteren Eisenzeit repräsentiert, die für das ungeübte Auge manchmal als einzelne Denkmäler oder in Gruppen unsichtbar bleiben. Befestigte Siedlungen auf Anhöhen mit massiven Erdwällen mit Steinmauern, die in der Eisenzeit eine übliche Form einer Befestigung darstellen, zeigen noch immer die Leistung der Einwohner vor fast 3.000 Jahren. Einige von ihnen wurden auch in der jüngeren Eisenzeit genutzt. Im 2. Jh. v. Chr. wurden neue Formen großer Siedlungen, sogenannte „Oppida“, entlang wichtiger Routen gebaut, die als die ersten europäischen Städte angesehen werden können. Sie fungierten als regionale Zentren und waren größtenteils mit ausgeklügelten Befestigungssystemen versehen.

 

Einzelne Wohngebäude und Häuser, die hauptsächlich aus Holz gebaut wurden, sind jedoch normalerweise nicht mehr oberirdisch sichtbar und können nur durch archäologische Untersuchungen freigelegt werden. Sie müssen interpretiert und visualisiert werden, um von der breiten Öffentlichkeit verstanden zu werden. Die wichtigsten Austauschrouten der Eisenzeit sind heute ebenfalls schwer zu identifizieren. Sie wurden notwendig, als die Gemeinschaften nicht mehr nur lokale Akteure waren, sondern Teil des europäischen Netzwerks. Einige der Routen wurden auch später in der Römerzeit benutzt, und viele von ihnen bildeten Teile des mittelalterlichen und zeitgenössischen Straßennetzes.